Harrer Chocolat Factory - Sopron, Hungary

Konstruktions-Enddatum: 
Apr-2009
Land: 
Hungary

Mit der Planung wurde nach einem Briefing mit Herrn Harrer im Sommer 2005 begonnen, auch hier hatte Karl Harrer schon exakte Vorstellungen hinsichtlich der Abläufe.

Sie müssen sich das so vorstellen: Herr Harrer schreibt das Drehbuch, ist der Autor und wir als Architekten und Ingenieuren drehen den Film dazu, setzten seine Worte in Bilder / Bauwerk um.

Ein paar Monate später wurde unsererseits präsentiert und am Entwurf, dem äußeren Erscheinungsbild kaum mehr etwas geändert.
Dann galt es sich mit dem Innenraum auseinander zu setzten, bei dem uns Karl Harrer ebenfalls sein Vertrauen schenkte.
Dies war ein ordentliches Stück Arbeit, denn eines war wichtig: „Form follows Function“ - da die Räumlichkeiten mit all dem Inhalt, in denen die Gäste sich befinden, ja immerhin eine Produktions- und Verkaufsstätte sind.

Unser Ziel war es, ein Gesamtprojekt ohne Ablaufdatum zu realisieren, sich nicht dem momentanen Zeitgeist zu unterwerfen. Die einfachen Formen paaren sich mit den statischen Attraktivitäten, die drei Schachteln schwimmen wie die Schokoladendosen neben- und aufeinander, ohne zentrale Versetzung, die 7 m lange Auskragung springt gewichtslos vor. Der Allplan machte es möglich die komplizierten Rohbaudetails einfach zu lösen.
In der Rohbauplanungsphase mussten wir viele technische Probleme lösen. An der Baustelle stand früher eine Tongrube eines Ziegelwerks. Die Pfahlfundamentierung war wegen der 5-7 m dicken, undichten Aufschüttungsschicht nötig. Man konnte mit der Kombination der Ortbetonbodenplatten und Bohrpfählen ausreichende Tragfähigkeit und Setzungen erreichen.

Wegen den Anforderungen des Bauherrn mussten wir eine schnelle, produktionsfähige Baumethode finden. Die Zeitersparnis stand mit hochgradiger Priorität an der ersten Stelle. Gelöst haben wir dies mit der Einplanung der Hohlwandelementen, Hohldielen und vorgespannten Plattendecken. Die Firma Franz Oberndorfer GmbH in Österreich stand mit seinen umfassenden Erfahrungen und Traditionen in der Fertigteilproduktion zur unsere Verfügung. Die kurze Lieferzeit von der Niederlassung der Produktionsfirma war ein weiteres Argument für unsere Wahl der Bautechnologie.

Die untere und obere Decke der Auskragung wurde aus Ortbeton gebaut. Wegen den Anforderungen der Architekten mussten wir schlanke Stahlbetondeckenplatten einplanen. Die großen Spannweiten (7 m und 9 m in beiden Hauptrichtungen), die kleinen Plattenstärken (18 cm und 23 cm) und die relativ großen Lasten erforderten eine statische Berechnungsmethode nach zweiter Ordnung. Wir konnten die vorschriftgemäße Durchbiegungen mit einer relativen großen unteren und oberen Bewehrung erreichen. Die Widerstände gegen Durchstanzen wurden mit Dübelleisten von der Firma Schöck gesichert.

Die Lasten der Auskragung tragen zwei Fachwerke im Innenraum. Die 25 cm breiten Ortbetonsäulen bilden sich als vertikale Stäbe, die untere Deckenplatte und ein unsichtbarer Unterzug unter der oberen Deckenlatte bestimmen die horizontalen Stäbe. Die schrägen Zugstäbe in beiden Trägern sind aus BSt550 Baustahl mit dem Durchmesser 120 mm gebaut.Die tadellose, elegante Ausführung danken wir dem Bauleiter Árpád Giczi.
Ich denke wir konnten hier einen Klassiker errichten, der Fam. Harrer, den Besuchern und Sopron noch viele Jahrzehnte Freude bereiten wird.