Hochschule für Fernsehen und Film mit Ägyptisches Museum - München, Deutschland

Konstruktions-Enddatum: 
Jul-2011
Land: 
Germany

Das Gebäude gliedert sich in einen 150 m langen, achtgeschossigen Gebäuderiegel für die Filmhochschule mit Kino- und Hörsaalanbauten, einen vorgelagerten unterirdischen Museumsbau sowie eine Tiefgarage.
Das Gebäude wurde als fugenlose Stahlbeton- bzw. Stahlbetonverbundkonstruktion konzipiert. Zwei Untergeschosse liegen im Grundwasser. Große Räume im Sichtbetonsockel werden darüber mit dreigeschossigen Verbundfachwerken entlang der Flurwände mit Spannweiten bis zu 30 m stützenfrei überbrückt.

Filmhochschule

Die Hochschule für Fernsehen und Film ist im Sichtbetonsockel mit aufgesetztem Glaskörper untergebracht. Sie wird über das östlich gelegene, stützenfreie Foyer erschlossen. Die mit einer doppelschaligen Glasfassade versehenen Obergeschosse enthalten die kleinteiligen Räume mit Büro- und Einzelstudionutzung. Besonders auffällig sind hier die Längsfachwerke in Stahlverbundbauweise, die in den Flurzonen über drei Geschosse mit Spannweiten bis zu 30 m angelegt sind. Die Stahlbetondecken sind integraler Bestandteil dieser Fachwerke, die die darunter im nahezu fensterlosen Betonsockel liegenden Kinosäle, Vorlesungsräume, Cafeteria, Bibliothek und Foyer ohne störende Stützen erst ermöglichen.

Auf Wunsch des Architekten wurde dieser Sockel in Sichtbeton mit rotem Porphyr als Zuschlagstoff versehen sowie in Lagen abwechselnd naturgrau oder gelb eingefärbt und anschließend von Steinmetzen gestockt. Das Ergebnis vermittelt in seiner gewollt unregelmäßigen Erscheinung auf wunderbare Weise einen Naturstein, der farblich mit der gegenüber liegenden Alten Pinakothek korrespondiert. Die Herstellung der Sockelwände erfolgte in bis zu 90 m langen Betonierabschnitten unter Verwendung einer Kletterschalung. Die daran anschließenden Decken wurden über Bewehrungsanschlüsse nachträglich eingefügt, d.h. viele Wände wurden zwei- bis dreigeschossig hergestellt. Die Arbeitsfugen dieser Sichtbetonwände wurden minimiert und verdeckt angeordnet.

Staatliches Museum für Ägyptische Kunst

Eine große Portalwand aus gelb eingefärbtem, ebenfalls gestocktem Sichtbeton markiert den westlich gelegenen Eingang des Museums. Eine Freitreppe führt zur abgesenkten Museumsebene und assoziiert so den engen Eingang einer ägyptischen Ausgrabungsstätte. Die unterirdischen Ausstellungshallen präsentieren sich einschließlich der Großvitrinen in schwarz pigmentiertem Sichtbeton ohne erkennbare Arbeitsfugen. Die natürliche Belichtung einiger Räume erfolgt über einen lang gestreckten, von dreieckigen Stützen eingefassten Atriumshof. Die gesamte Versorgungstechnik liegt versteckt in den Hohlkammerdecken, den Innenwänden und Bodenplatten.

Der unterirdische Baukörper liegt bis zu vier Meter im Grundwasser und wurde auf Wunsch des Bauherrn für die hochwertige Museumsnutzung als kombinierte „Schwarz-Weiße Wanne“ ausgebildet, d.h. die Außenbauteile aus Beton mit hohem Wassereindringwiderstand und zugehöriger, die Rissbreiten beschränkenden Bewehrung erhielten zusätzlich eine Folienabdichtung.

Tiefgarage

Die konventionelle Stahlbetonkonstruktion mit Flachdecke schließt fugenlos an das Sockelgebäude an und wird von den drei Anbauten mit Audimax, Werkstätten und weiteren Verwaltungseinheiten überbaut.

Baugrube und Abbruch

Die Planungsleistungen umfassten außerdem die statische Betreuung der Abbrucharbeiten der mathematischen Institute der TUM und die darunter gelegenen Bunker der nicht mehr verwirklichten Reichskanzlei sowie Entwurf und Genehmigungsplanung der Baugrubenumschließung und die Sanierung bzw. Unterfangung des verbliebenen Rechenzentrums.